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Zeichen setzen: Gedanken zum Zerreissen der Regenbogenfahne

2020-09-10|14:11 · von bernhardl @ gayboy.at

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(c)Verein queerconnexion

Hallo meine lieben Leser*innen,

 

 Ich weiß, ihr habt schon lange nichts mehr von mir gelesen. Zum Teil war ich mit meinem anderen Job sehr beschäftigt, zum Teil hatte ich eine ziemliche Schreibblockade.

 

Nun melde ich mich wieder zum Wort, weil mich der Vorfall von Samstag sehr zum Nachdenken angestoßen hat. Letzten Samstag wurde auf einer Anti-Corona Demo eine Regenbogenfahne zerrissen, auf dem ein Regenbogenherz zu sehen war. Eine Frau hat auf der Bühne der Demonstration diese Fahne zerrissen. Mit den Worten „Wir müssen unsere Kinder vor Kinderschändern schützen. Wir alle sind dafür verantwortlich“ hat sie Regenbogenfahne mit Wut in ihren Augen in zwei Hälften geteilt. Angeblich hat Jennifer K. das sogenannte Doppelherz gesehen, obwohl eindeutig mehr als zwei Herzen zu sehen waren. In späteren Videos, welche auf Twitter und Facebook zu sehen waren, meinte sie, sie hat nichts gegen die Homosexuellen.

 

Zum Glück war die Reaktion der gesamten Community – bzw. in meinem Umfeld – sehr schnell. Viele waren sehr wütend, dass solche Aussagen heutzutage noch getätigt werden. So organisierten verschieden Organisationen und politische Parteien innerhalb von 24h eine Demo gegen Hass. Als jahrelanger Aktivist verschiedener Organisationen war ich stolz zu sehen, wie viele meiner Freund*innen, die sonst nie auf Demos gehen, am Montagabend bei der Demo gegen Hass vertreten waren.

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2020-09-10|14:12 · von bernhardl @ gayboy.at

Ich konnte leider nicht dabei sein, aber es hat mir wieder gezeigt, wie viel wir noch vor uns haben. Auch in Österreich ist Homo-, Trans, Bi- und Interphobie noch ein Thema. Nicht nur am Land, sondern auch in der Stadt.

 

Noch immer werden junge LGBTI Menschen in Schulen gemobbt oder trauen sich nicht sich zu outen. Weil sie sich vielleicht gegen die Norm „normales Leben“ oder dem heteronormativen Leben fügen. Und genau deshalb ist es wichtig, dass Kindern bereits im jungen Alter erklärt wird, wie vielfältig das Leben sein kann. Wenn Kinder von zu Hause hören, dass Schwule Kinderschänder sind, glauben sie es natürlich und wenn nichts Gegenteiliges in der Schule unterrichtet wird, verbreiten sie es weiter bzw. handeln dann selbst homophob oder transphob.

 

Der Verein Queerconnexion zum Beispiel macht genau das, was alle Schüler*innen in Österreich lernen sollten – Aufklärung. Ich selbst war auch in mehren Schulklassen und habe dort über mein Outing gesprochen und wie verletzend es sein kann, wenn man als Schwuchtel beschimpft wird. Weil ich vor den Jugendlichen als erwachsener Mann sitze hören sie auch immer zu. Und jedes Mal nach solchen Workshops sagen uns Schüler*innen, wie dankbar sie sind, dass wir Ihnen davon berichtet haben, wie unsere Outings verlaufen sind.

 

Da ich ab Ende September wieder mehr Zeit habe, werde ich mich auf alle Fälle wieder solchen Workshops widmen. Auch in Österreich haben wir leider noch immer nicht alles in der Gesellschaft erreicht, was wir eigentlich verdienen sollten. Respekt, Akzeptanz und Toleranz.

 

Spread the love and the rainbow.

 

Bernhard

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