Eine neue Studie aus Deutschland beweist, dass Kinder in Regenbogenfamilien keine Nachteile haben. Die deutsche Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte die Untersuchung vor vier Jahren beim Bayerischen Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg und dem Staatsinstitut für Frühpädagogik in München in Auftrag gegeben.

»Heute ist ein guter Tag für alle, die auf Fakten statt auf Vorurteile setzen - gerade bei weltanschaulich besetzten Themen«, verkündete die Bundesjustizministerin in Berlin. Ihr Fazit: »Dort, wo Kinder geliebt werden, wachsen sie auch gut auf. Entscheidend ist eine gute Beziehung zwischen Kind und Eltern und nicht deren sexuelle Orientierung«. Die Studie belege »auf wissenschaftlich fundierter Grundlage, dass Familie dort ist, wo Kinder sind«.
In der deutschen Studie wurden rund 700 Eltern und 100 Kinder in befragt, die in Eingetragenen Lebenspartnerschaften aufwachsen. Damit sei die Untersuchung »überrepräsentativ«, da insgesamt nur 2.200 Kinder mit Eltern in einer Homo-Ehe in Deutschland aufwüchsen. Ergebnis: »Das Kindeswohl ist in Regenbogenfamilien genauso gewahrt wie in anderen Familienformen.« Es gebe keine Unterschiede zwischen Eltern in Lebenspartnerschaften und Eltern in einer (heterosexuellen) Ehe. So fänden sich keine Anhaltspunkte für eine erhöhte Neigung zu Depressionen. »Für das Kindeswohl ist es nicht erforderlich, dass die Erziehung nach dem klassischen Rollen-Modell von verschiedenen Geschlechtern gleichermaßen übernommen wird«, so die Forscher. Zudem verfügte eine Mehrheit der Kinder über keine Diskriminierungserfahrungen wegen der sexuellen Orientierung der Eltern.
Zypries fordert bereits seit längerem das Adoptionsrecht für Lebenspartner. Derzeit dürfen Homosexuelle in Deutschland zwar einzeln Kinder adoptieren, eine Adoption durch ein Gay-Paar ist aber in Deutschland verboten. SPD, FDP, Grüne und Linkspartei sprechen sich für die Gleichberechtigung von verpartnerten Paaren in der Frage des Adoptionsrechts aus, lediglich die Union lehnt dies mit Verweis auf das »Kindeswohl« ab. Zypries will erreichen, dass die Gleichberechtigung in der nächsten Legislaturperiode Gesetz wird.
In mehreren Interviews hat die deutsche Justizministerin am Donnerstag erklärt, dass sie eine Gleichbehandlung von (verpartnerten) Schwulen und Lesben erwarte. Allerdings weist sie darauf hin, dass es zehn Mal mehr adoptionswillige Elternpaare als Adoptionskinder gebe. Auch wenn nur wenige verpartnerte Paare von Adoptionen profitieren könnten, sei eine Gleichberechtigung in dieser Frage dennoch wichtig, erklärte sie im Deutschlandfunk: »Der wesentliche Punkt ist erst mal, dass wir mit den rechtlichen Voraussetzungen eine der formalen Diskriminierungen von homosexuellen Paaren noch beseitigen.«
Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) zeigte sich von den Ergebnissen der Studie nicht überrascht. Es habe bereits viele Untersuchungen im angloamerikanischen Raum gegeben, in denen nachgewiesen wurde, dass Schwule und Lesben dem Kindeswohl nicht schadeten, erklärte LSVD-Sprecherin Uta Kehr – und appellierte an die deutsche Regierung: »Beenden Sie die bestehenden Diskriminierungen von Regenbogenfamilien im Familienalltag! Schaffen Sie ein Recht auf Familiengründung, unabhängig von der sexuellen Orientierung!«.
»Kinder wachsen bei zwei Müttern oder zwei Vätern, also bei Regenbogeneltern, genau so gut auf wie in anderen Lebensgemeinschaften. Für das Kindeswohl ist es nicht erforderlich, dass die Erziehung nach dem klassischen Rollen-Modell von verschiedenen Geschlechtern gleichermaßen übernommen wird. Maßgeblich ist vielmehr eine gute Eltern-Kind-Beziehung unabhängig vom Geschlecht der Eltern «, so Peter Traschkowitsch, Bundes- und Wiener Landesvorsitzender der SoHo (Sozialdemokratie und Homosexualität).