Eine Autobahnrast- stätte in der Nähe des kleinen Schweizer Ortes Oberbipp, ein paar Kilometer südlich von Basel, sorgt für einiges an Unruhe in dem kleinen Ort, der auf dem Weg zwischen Bern und Basel liegt.

Autobahnraststätte »Oberbipp Nord« nennt sich der Stein des Anstoßes, ein bekannter Treffpunkt für Singles und Pärchen aller Couleur. Schwule, Heteros, Bisexuelle, Transgender, Neugierige, Spanner, der verklemmte Familienvater und viele mehr sind da zu finden. Viele nutzen die günstig gelegene Raststätte auf dem halben Weg zwischen Bern und Basel um schnell mal zum Schuss zu kommen, andere steuern den Ort auch ganz gezielt an, weil es eine recht hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass dort jeder Topf seinen Deckel findet. Und sei es nur für kurze Zeit.
Nun hat sich die Gemeinde Oberbipp, in deren Nähe die Raststätte liegt, an den Bund gewandt, um den »Zuständen ein Ende zu bereiten«. Das Areal sei völlig verdreckt, die WC-Anlagen seien so gut wie unbenutzbar, entweder weil der Geruch kaum auszuhalten, oder weil »die spezielle Klientel« dort zu Gange sei.
Die Gemeinde hat als Höhepunkt der Beschwerden einen Brief an das Bundesamt für Straßen geschrieben und geeignete Maßnahmen gefordert, um die Situation zu verbessern, oder - sollte das nicht möglich sein - eine Schließung zu erwägen. Das Bundesamt hat eine Schließung rundweg abgelehnt und einen Maßnahmenkatalog vorgelegt, wie die Situation verbessert werden könnte. Videoüberwachung, regelmäßige Kontrollen und bauliche Änderungen finden sich u.a. darin.
Jedes Land, jede größere Stadt hat solche Treffpunkte. Jeder, der etwas älter ist und motorisiert war, wird sich an jene Parkplätze bei Wien und Graz erinnern, die weit über die Region hinaus bekannt waren. Wie sah das Klientel dort aus? Alles was alt genug für einen Führerschein und jung genug war, um sich aus eigener Kraft fortbewegen zu können, war dort zu finden.
Männlein und Weiblein haben dort in schöner Eintracht nach Kurzzeitpartnern gesucht – oder gleich mitgebracht. Während eine Gruppe Heteros sich auf den Tischen vergnügten, haben sich zwei, drei oder mehr Jungs in den Gebüschen ihren Vergnügungen hingegeben – oder umgekehrt. Und alle, das muss man sagen, haben selten daran gedacht, ihren Müll wieder mitzunehmen. Den Schwulen vorzuwerfen, dass sie diejenigen wären, die ganz allein für die Zustände verantwortlich wären, zeugt davon, dass die Vorurteile Schwulen gegenüber wieder einmal eine Wiederauferstehung erleben.