Knapp fünf Monate nach Bekanntwerden der entwürdigenden Praxis tschechischer Behörden rund um den sogenannten »phallografischen Erektionstest« bei Asylwerbern, hat die EU jetzt Untersuchungen angekündigt. Diese »Penistests« werden bei den Bewerbern angewendet, die als Grund die Verfolgung in ihrer Heimat wegen ihrer Homosexualität angeben.

Homosexuelle Asylsuchende müssen sich in Tschechien heterosexuelle Pornofilme ansehen. Dabei wird ihnen der Blutfluss zum Penis gemessen.
EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström schrieb in einem Brief an den tschechischen EU-Botschafter, dass diese Tests »entwürdigend« seien und in keinem Mitgliedsland akzeptiert werden dürfen. Die EU-Kommission habe deshalb eine Untersuchung gegen Tschechien eröffnet, da die tschechischen Behörden die Praxis in ihrer Asylpolitik nicht ausreichend erklärt hätten. Nach Ansicht der EU-Kommission stehen diese Tests im Widerspruch zu den Artikeln 4 und 7 der Grundrechte-Charta der EU, die Folter und »demütigende Behandlung« verbieten.
Die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (»FRA«, »European Union Agency for Fundamental Rights«) mit Sitz in Wien kritisierte, dass solche Tests besonders bei Asylwerbern unangebracht seien, da »viele von diesen Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung in ihrer Heimat unter der Verachtung durch ihre Mitmenschen gelitten hätten«.
Bei dem Test mit dem Phallograf müssen die homosexuellen Asylwerber Hetero-Pornos ansehen, während der Erregungsgrad an ihrem Penis, also Penisumfang und Steifheit, gemessen wird
(Gayboy berichtete).
Noch im Dezember vergangenen Jahres beschwichtigte der tschechische Innenminister, dass die Asylwerber nur mit ihrem Einverständnis dieser Art von Testung unterzogen werden. Allerdings geht man in Tschechien davon aus, dass Personen, die das Testverfahren ablehnen, lügen. Die Asylwerber müssten befürchten, dass ihr Antrag damit abgelehnt würde.
Pavel Novak, Sprecher des Innenministeriums, versuchte ebenfalls zu beruhigen und versicherte, dass die »phallografischen Erektionstest« weniger als zehn Mal angewendet wurden und da nur unter Aufsicht eines Mediziners. Man habe diesen Test nur bei Asylwerbern durchgeführt, die insgesamt unglaubwürdig gewirkt hatten. Alle, die den Test bestanden, bekamen bisher Asyl, so Novak im Dezember.