In Miami Beach ist ein erneuter Übergriff von Polizisten gegen Schwule bekannt geworden. Ein Tourist, der die Misshandlung der Beamten beobachtete und den Notruf wählte, wurde danach verhaftet, tätlich bedroht und ebenfalls misshandelt. Jetzt wurde Klage gegen die Beamten und die Stadtverwaltung eingebracht.

Der 45-jährige Harold Strickland war am 13. März 2009 nach Mitternacht in Miami Beach mit seiner Schwester am Handy telefonierend unterwegs, als er bemerkte, wie Männer ein schwules küssendes Pärchen im Flamingo Park verfolgten. Der Park ist bei schwulen Männern von Miami Beach ein beliebtes Cruising-Gebiet. Strickland, noch immer mit seiner Schwester telefonierend, beobachtete weiter, wie sich die zwei Männer dem schwulen Pärchen als verdeckte Ermittler zu erkennen gaben und sie aus dem Park verjagten. Danach wandten sich die beiden Beamten einem jungen Mann zu, der gerade den Park betrat. Die beiden Polizisten in Zivil stießen ihr Opfer zu Boden, legten ihm Handschellen an und schlugen auf ihn ein. (Später sollte sich herausstellen, dass der junge Mann gegenüber in einem Apartment-Haus lebt und auf dem Weg zu seiner Parkgarage war. Anm.Red.)
Der 45-Jährige beschloss jetzt Hilfe zu holen, rief den Notruf 911 an und schilderte seine Beobachtungen von den Misshandlungen. Laut Telefonmittschnitt, der jetzt veröffentlicht wurde, sagte er, dass sie »seinen Schädel wie einen Fußball treten«. Der diensthabende Beamte am Telefon riet ihm näher zum Tatort zu gehen, um eventuell die Identifikationsnummer am Auto der beiden verdeckten Ermittler lesen zu können. Er näherte sich, konnte jedoch keine solche Nummer erkennen.
»Diese Schwuchteln machen uns krank!«
Jetzt wurden auch die beiden Polizisten in Zivil auf ihn aufmerksam, die noch immer auf den jungen Mann eintraten. Sie gingen auf den 45-Jährigen zu, nahmen ihm sein Handy weg und beendeten den noch offenen Anruf mit dem Polizeinotruf. Strickland teilte den beiden Polizisten mit, dass er bereits den Notruf verständigt und seine Beobachtungen geschildert hätte. »Die verfickten Schwuchteln in der Nachbarschaft machen uns krank«, riefen die beiden Beamten und schlugen den 45-Jährigen zu Boden und legten im Handschellen an.
Danach beschimpften sie ihn ebenfalls als »Schwuchtel« und prophezeiten ihm, dass er es »im Gefängnis gut haben werde«. Strickland beteuerte, dass er in der Nähe in einem Hotel wohne und man seine Zimmerschlüssel in seiner Hosentasche finden könne. Außerdem drohte er den beiden rasenden Beamten, dass er diesen Vorfall zu Anzeige bringen werde. Die beiden Polizisten lachten laut: »Solche Typen wie du verschwinden hier tagtäglich!« Danach sagte der eine Beamte zu dem anderen: »Sollen wir ihn mitnehmen und ihn loswerden?«
Misshandelnde Polizisten kein Einzelfall - Klage gegen die Stadt
Später gaben die Polizisten zu Protokoll, dass sie den 45-Jährigen dabei erwischt hätten, wie er neben dem Park Autos knacken wollte. Sie hätten ihn verfolgt und dabei sei er gestolpert und zu Boden gefallen. Der Tonbandmitschnitt des telefonischen Hilferufs des 45-Jährigen und sein davor geführtes Telefonat mit seiner Schwester widerlegten allerdings diese perfide Behauptung.
Harold Strickland, vertreten durch die Organisation »American Civil Liberties Union of Florida« hat jetzt Klage gegen die beiden Beamten und gegen die Stadtverwaltung von Miami Beach eingebracht. Außerdem hat er in einem Brief an Bürgermeister Matti Harrera Bower sein schockierendes Erlebnis geschildert.
Die »American Civil Liberties Union of Florida« berichtet indes, dass solche Vorfälle keine Einzelfälle seien. Seit Jahrzehnten gäbe es Berichte über misshandelnde Polizisten rund um den Flamingo Park. Schwule Männer oder solche »die schwule aussehen« würden dort aufgegriffen, misshandelt und verhaftet. In den Berichten steht ebenfalls, dass Zeugen von solchen Übergriffen durch die Polizei mehrfach bedroht und eingeschüchtert wurden. In einigen Fällen wurde den Hilfe rufenden Zeugen sogar die SIM-Card ihres Handys abgenommen.