Wie eine aktuelle Trendstudie zeigt, haben Schwule gesteigerte Anforderungen an ihre Wohnsituation und geben insbesondere für Einrichtung und Design deutlich mehr Geld aus. Homosexuelle Männer tendieren zum Erwerb einer Eigentumswohnung, die sich idealerweise in einem höheren Geschoss oder am besten gleich auf dem Dach befinden muss.

Im Rahmen der Untersuchung über Wohntrends von homosexuellen und heterosexuellen Männern, die im Spätherbst und Winter 2009/10 in Zusammenarbeit mit dem Immobilienportal FindMyHome.at durchgeführt wurde, befragte das Marktforschungsinstitut Marketagent.com 504 schwule und heterosexuelle Männer zu ihrem Wohn- und Einrichtungsverhalten, wobei sich klare Trends zwischen den Befragungsgruppen ablesen ließen.
Jährliche Investition und Einrichtungtrends
Einig sind sich schwule und heterosexuelle Männer, dass ihr eigenes Zuhause vor allem ein Ort der Privatsphäre, Geborgenheit und Entspannung sein muss. Für knapp die Hälfte der schwulen Männer sind die eigenen vier Wände auch ein Raum für die persönliche Entfaltung und immerhin 17,3 Prozent bezeichnen ihre Wohnung auch als Prestigeobjekt. »Schwule Männer haben gesteigerte Anforderungen an ihre Wohnsituation und geben insbesondere für Einrichtung und Design deutlich mehr Geld aus«, so Marketagent.com-Geschäftsführer Thomas Schwabl. So geben schwule Männer durchschnittlich im Jahr 1.845 Euro für Möbel und Einrichtungsgegenstände aus, während der heterosexuelle Mann 1.055 Euro investiert. Die höheren Investitionen des schwulen Mannes begründen sich mitunter dadurch, dass dieser deutlich öfter in Designerläden oder Maßanfertigungen vom Tischler kauft als der heterosexuelle Mann. Das Gros der Einrichtungsgegenstände kommt jedoch in beiden Befragungsgruppen aus dem Möbel- und Einrichtungshaus. Da stehen bei schwulen und heterosexuellen Männer derzeit Möbel in dunklen Farbenn in Kombination mit klaren Formen und modernen Elementen hoch im Kurs.
Schwule wollen Eigentumswohnung am Dach
Während beim heterosexuellen Mann noch immer das Eigentumshaus mit 55,5 Prozent vor der Eigentums- und Hauptmietwohnung führt, ist für schwule Männer (57,3 Prozent) der Erwerb einer Eigentumswohnung, möglichst zentrumsnah (32,7 Prozent) und ruhig (50,4 Prozent) das gesteckte Ziel. Diese sollte dann idealerweise in einem höheren Geschoss oder am besten gleich im Dachgeschoss gelegen sein. Das wünschen sich zumindest 58,1 Prozent der schwulen Männer im Vergleich zu nur 42,3 Prozent der heterosexuellen Männer. Immerhin bewohnen schon jetzt knapp 12 Prozent der schwulen Männer eine Wohnung im Dachgeschoss.
Schwule wollen zentrumsnah wohnen
Schwule Männer bevorzugen besonders Wohnräume mit hellen Zimmern (75,8 Prozent) und große offene Räume (49,2 Prozent). Wichtig ist für sie auch der heimische Internetanschluss (74,6 Prozent). Heterosexuelle wünschen sich neben dem Internet (71,5 Prozent) vor allem einen Lift (37,9 Prozent) und eine Garage im Haus (39,1 Prozent). Laut der aktuellen Studie leben die meisten Schwulen in Wien in den Bezirken Margareten, Mariahilf und Favoriten und bewohnen Hauptmietwohnungen (56,5 Prozent) oder Eigentumswohnungen (18,5 Prozent), wobei sie Altbauten bevorzugen. Auf die Frage, in welchem Wiener Gemeindebezirk sie gerne leben würden, führen bei den homosexuellen Männern Mariahilf, die Innere Stadt, Neubau und Döbling, während es heterosexuelle Männer eher die frische Luft im Grünen bevorzugen und in die Donaustadt, nach Hietzing, Liesing oder überhaupt an den Stadtrand zieht.
In diesem Zusammenhang ist für Schwule der gastronomische Aspekt ihrer Wohnumgebung wichtig. Sie bevorzugen Wohngegenden in der unmittelbaren Nähe von Restaurants mit verschiedenen internationalen Küchen (23 Prozent), typischen Wiener Lokalen und Kaffeehäusern (14,1 Prozent), stylische Cafés (12,9 Prozent) und kulturelle Einrichtungen wie Opern- und Theaterhäuser (12,5 Prozent). Heteromänner hingegen legen auf einen Grünbereich sowie günstige Anbindungen an den Individualverkehr wert. Nur zehn Prozent der schwulen Männer und 16 Prozent der Heterosexuellen ist der Kontakt zu ihren Nachbarn wichtig.
Schwule ändern häufiger ihre Wohnsituation
Laut der aktuellen Befragung sind 73,8 Prozent der Homosexuellen und nur 67,9 Prozent der Heterosexuellen mit ihrer derzeitigen Wohnsituation zufrieden. Überdurchschnittlich zufrieden mit ihrer Wohnsituation zeigten sich 87,5 Prozent der über 40- jährigen schwulen Männer. Monatlich gibt der schwule Mann inklusive sämtlicher Wohnnebenkosten und Steuern rund 600 Euro aus und damit um 50 Euro mehr als der heterosexuelle Mann. Trotz der geringeren Ausgaben empfinden 36,4 Prozent der heterosexuellen und nur 20,9 Prozent der homosexuellen Männer die Wohnkosten als hohe finanzielle Belastung. Dies ist in Anbetracht des höheren Einkommens, das schwulen Männern zur Verfügung steht, jedoch nicht verwunderlich.
Der Wechsel in die nächste Immobilie wird bei schwulen Männern auf jeden Fall schneller vonstattengehen, da diese durchschnittlich kürzer in einer Immobilie wohnen. Bei der Suche nach einem neuen Wohnobjekt lassen sich schwule Männer deutlich stärker als heterosexuelle Männer vom Internet inspirieren, wobei die Empfehlung von Freunden und Bekannten in beiden Befragungsgruppen den wichtigsten Faktor ausmacht.
Fast alle schwulen Männer in Ein- bis Zweipersonenhaushalt
95,2 Prozent der schwulen Männer leben in einem Ein- bis Zweipersonenhaushalt, während 81,6 Prozent der heterosexuellen Männer in einem Zwei- bis Vierpersonenhaushalt leben. Nur 16,5 Prozent der homosexuellen Männer haben einen Balkon und nur 15,3 Prozent eine Terrasse. Im Vergleich verfügen 26,6 Prozent der Heteromänner über einen Balkon, 22,3 Prozent über eine Terrasse und je 18,4 Prozent über einen kleinen Garten oder eine Loggia.