Die schwulen Vampire sind zurück – und das besser als je zuvor! Der geneigte Leser wird wissen, dass dies nach der missratenen ersten Staffel (zumindest in den Augen des Autors dieser Zeilen) kein Kunststück ist (Gayboy.at berichtete). Im zweiten Jahr aber macht »The Lair« seinem großen Bruder »Dante’s Cove« ernsthafte Konkurrenz. Geboten wird gute TV-Unterhaltung mit der gewohnten Prise Erotik.

Am Anfang gleich mal vorweg: An »Dante’s Cove« kommt »The Lair« auch im zweiten Jahr nicht heran. Trotzdem ist eine deutliche Verbesserung zur ersten Staffel zu bemerken und man hat das Gefühl, die Macher der Serie wissen nun deutlicher, wohin sie »The Lair« führen wollen. Die zweite Staffel bietet mehrere Handlungsstränge, geheimnisvolle Stories, die einem dazu bringen, dran zu bleiben, gar nicht mal so schlechte Horrorszenen, Figuren, die endlich auch den Zuschauer berühren und eine bessere schauspielerische Leistung. Zu viel wollen wir hier ja nicht verraten, jedoch möchten wir euch die wichtigsten Handlungsstränge (die sich im Verlauf der Staffel wunderbar miteinander verbinden) vorstellen, die einem in »The Lair – Season 2« erwarten, und mit einem kritischen Auge feststellen, welche gelungen ist oder welche man lieber doch begraben (um beim Vampir-Thema zu bleiben) hätte lassen sollen.
Colin, Frankie und The Lair
Colin hat nun die Macht über den Sexclub »The Lair« übernommen und bezeichnet dies selbst mit einem »neuen Zeitalter«, welches für die vampirische Familie nun anbricht. Nach den Vorfällen in der ersten Staffel ist Colin jedoch gezwungen, den Club erstmals zu schließen. Also nun die Frage: Wo und wie kommt man an Frischblut (sprich: sexy schwules Frischfleisch) heran? Aber das ist nicht Colins einziges Problem: Franky kehrt (ganz Shakespeare, wie er selbst meint) als Geist zurück und hat nicht vor, seinem früheren Peiniger Colin das Leben leichter zu machen….
Paradoxerweise ist es gerade »The Lair« selbst, welcher in der Serie nicht so richtig funktioniert. An sich ist die Idee, den Club zu schließen, keine schlechte Idee, kommt in der zweiten Staffel jedoch viel zu früh. Hat man schon im ersten Jahr nicht viel vom Club selbst gesehen, so hätte man sich als Zuseher eher gewünscht, im zweiten Jahr den titelgebenden Ort mehr zu erforschen. So aber rückt der Sexclub noch mehr in den Hintergrund, das »neue Zeitalter«, welches Colin in Folge 1 verspricht, mag sich dann nicht so richtig einstellen. Sehr schade auch, dass man die Vampir-Jagd außerhalb des Clubs bis auf eine Szene (Colin verführt einen jungen Mann in der Bar) nicht zu Gesicht bekommt. Gerade diese Szene aber ist sehr interessant, wirft er doch einen neuen Blickwinkel auf Colin, der sich nun außerhalb der sicheren Lair-Wände betätigen muss. Wie stellen sich die anderen Vampire dabei an? Ist dies nicht eine noch größere Gefahr für die Insel, wenn Hunderte von Vampiren in der Nacht ausschweifen, um wehrlose Männer auszusaugen (jaja… die erotische Zweideutigkeit ist schon beabsichtigt!)? Wieso geht man darauf nicht mehr ein? Hätte man diese Story in den Mittelpunkt der Staffel gestellt, wäre diese noch um einiges besser geworden. So bleibt der Club selbst eigentlich ziemlich nebensächlich, was gerade bei dem Serientitel schon recht verwirrend ist.
Frankie aber kann nun endlich als Bad Boy brillieren. Brian Nolan genießt dies sichtlich, und so ist auch er es, der viele der besten Sprüche in der Staffel sein eigen nennt. Frankie lässt sich nun nicht mehr herum schubsen – diesmal schubst er selbst. Seine eigentliche Motivation ist bis zuletzt unklar. Frankie als böser Geist – einer der besten Twists der Serie!

Thom und Damian (und Jonathan)
Damian ist immer noch eingemauert – also muss er sich anderer Tricks bedienen, um an Thom und seine Freiheit ranzukommen. Von Anfang an ist die erotische Spannung zwischen dem Vampir und dem Reporter zu spüren – Sex natürlich inklusive. Damian als ältester (und klügster) des Vampir-Clans weiß natürlich, wie man einen Normal-Sterblichen um den Finger wickelt. Und so gerät Thom bald ganz in die Fänge von Damian und verliert mehr und mehr seine Verbindung zu seinem bisherigen Leben. Die Beziehung zwischen den beiden kann nur auf eine Weise enden….
Ach, Damian – wie böse, sexy, verrucht und gleichzeitig liebeswürdig kann man sein? Damian kann’s, was nicht zuletzt Peter Stickels zu verdanken ist, der mit seinem (hier dunkel geschminkten) Babyface und seinem männlichen Körper per se schon einen Mix aus Verführung und Unschuld darstellt. Aber nicht nur sein Äußeres lässt Damian zu einem der interessantesten Charaktere der Serie werden: Man weiß nie so richtig, woran man bei ihm ist. Meint er es ernst mit Thom? Oder hat er doch Hintergedanken? Wie weit geht er, um die Macht des Vampir-Clans wieder an sich zu reißen? Ist er zu Liebe überhaupt fähig? »Love is a tricky thing. Some day it’s roses, some days it’s thorns«, meint er so also gewohnt kryptisch zu Thom, und wir Zuseher versinken dabei in seinen schokoladenbrauen Augen.
Thom hingegen… ja, das ist so eine Sache. David Moretti mag nicht wirklich überzeugen, mehr als einen »Ich bin genervt«- und »Ich bin ruhig« – Blick kriegt er nicht hin. Seine Liebe zu Jonathan ist zwar, was ihn antreibt, aber eigentlich wird das bald ziemlich unwichtig. So wie Jonathan überhaupt als Charakter in der zweiten Staffel überraschend im Hintergrund bleibt und (trotz neuen und sexy Schauspielers) so ziemlich nichts zu tun bekommt. Klar: Thom und Damian sollen als neues Traumpaar etabliert werden, was vielleicht sogar gelingen mag, verpassen die Autoren Thom endlich vielschichtigere Charakterzüge. Was zuweilen in der Staffel sogar gelingt. Wenn Thom Damian sein Blut anbietet, ist dies nicht nur eine wunderschön fotografierte Szene, sondern verspricht auch eine dunkle, verwegene (und somit höchst interessante) Zukunft für die Figur Thom. Auch das Finale birgt großes Potenzial für die Zukunft.
Sheriff Trout und Ian
Nach dem actionreichen Finale der ersten Staffel ist Sheriff Trout erstmals gezwungen, Auszeit vom Dienst zu nehmen und sich seiner Gesundheit zu widmen. Was soviel heißt, wie: Wir bekommen Colton Ford nicht nur in Muscleshirts zu sehen, sondern Trout auch von seiner privaten Seite. Obwohl er mit ihnen Kontakt hatte, weigert er sich weiterhin, an Vampire zu glauben. Die Mordserie geht aber nicht nur weiter, auch andere Unwesen scheinen sich auf der Insel herumzutreiben, was den Sheriff natürlich keine Minute ruhen lässt…. Unterdessen bekommt die Insel einen neuen Bewohner: Ian, ein verängstigender junger Mann, der vor irgendetwas (irgendwem?) davonzulaufen scheint. Zufällig kreuzen sich die Wege von Trout und Ian, worauf ersterer besteht, dass der am Boden zerstörte Ian erstmal bei ihm einzieht. »You remind me of someone I knew a long time ago«, so der Sheriff. Ian ist dankbar, weiß aber, dass er auch beim Sheriff nicht lange bleiben kann. Denn der Feind, vor dem er davonläuft, ist er selbst….
Trout von seiner privaten Seite zu beleuchten, tut gut, so lernt man einige (wenn auch zu wenige) andere Seiten von ihm kennen. Er nimmt zwar recht bald wieder den Dienst auf, Trout aber macht als einziger der Figuren so etwas wie eine Charakterentwicklung durch: Er lernt am Ende, dass man manchmal ohne fremde Hilfe eben doch nicht über die Runden kommt. Seine nicht zu verbergenden Gefühle für Ian, der diese jedoch nicht erwidert, berühren einen, denn man ahnt: Der Sheriff wohnt in seinem großen, großen Haus schon lange Zeit allein. Ex-Porn Star Colton Ford ist ein überraschend guter Schauspieler, bleibt aber bei seinem Spiel trotzdem in sicheren Bahnen. Endlich aber dürfen wir Ford auch oben ohne bewundern – und alle, die auf richtige Kerle stehen, wollen diese Szene sicher nicht verpassen!
Ian ist bei weitem die beste Erneuerung der zweiten Staffel und die interessanteste Figur der Serie. Zwar wird Ians Werwolf-Geheimnis schon in Folge 1 gelüftet, die Zerrissenheit der Figur lässt einen aber nicht los. Hier ein großes Kompliment an Matty Ferraro, der hoffentlich auch in der nächsten Staffel zu sehen ist. Die Idee, andere bekannte Horror-Figuren neben den Vampiren einzuführen, ist gut, besonders, da sich Werwölfe und Vampire ja bekanntlich nicht gerade gut vertragen. Fast schade also, dass der Ian-Werwolf nicht die Gelegenheit bekommt, sich mit einem Vampir zu fighten – wer da wohl gewonnen hätte? An der Werwolf-Story hat man sich sichtlich am Horror-Hit »Buffy« orientiert, welcher laut Produzenten ja auch als Vorlage für »The Lair« galt. Ian als Werwolf, der keiner sein will, diesen Teil des Ichs aber nicht entkommen kann – eine tolle Metapher für viele Gays, die zumindest anfangs ziemliche Probleme mit ihrer Sexualität hatten. Die Szene, als der Sheriff den völlig verstörten Ian in seiner Wanne voll Blut findet, ist eine überraschend tiefgreifende Szene und lässt einen wohlige Gänsehaut über den Rücken laufen.

Tim, Dr. Jake und Lumino orchis
Dr. Jake Waldman ist Botaniker – ein entspannter Beruf, möchte man meinen. Jake ist aber an außergewöhnlichen Pflanzen interessiert. So ist er bald im Besitz der selten
Lumino orchis, einer Orchidee, die auf Mondlicht äußerst lebendig (im wahrsten Sinne des Wortes) reagiert. Jake scheint bald wie besessen von der Pflanze zu sein. Sein Assistent (und Lover) Tim sorgt sich um den Dr. und will die
Lumino orchis so schnell wie möglich wieder loswerden. Das aber stellt sich schwieriger heraus, als zuvor gedacht…
Die
Lumino orchis ist zwar im Grunde genommen nicht weiter interessant, und man weiß nicht so recht, wohin die Autoren mit der Story wollen. Jedoch stellt sie eine Verbindung zu »Dante’s Cove« her – oder zumindest lässt sich darüber nachdenken. Denn sicher ist dies (wie bei all den anderen wagen Referenzen zur Mutter-Serie) nicht. Der mit Moos überwucherte Stein, aus dem die Blume wächst, erinnert aber stark an den Fels, aus dem die knackigen Dante’s-Jungs die Modedroge »The Saint« gewinnen, welche wiederum auch in »The Lair« erwähnt wird. Ansonsten aber kommt die Blumen-Story recht lächerlich daher, die Besessenheit von Jake hat manchmal schon etwas Komödiantisches. Tim bleibt als Figur recht farblos, was auch an Frankie Valentis Spiel liegt, das über ein dümmliches Gesicht nicht hinausgeht. Frankie Valenti mag einer größeren Masse übrigens als Johnny Hazzard bekannt sein, ein Porno-Darsteller. Nicht der einzige übrigens, der in »The Lair« sein schauspielerisches Talent erproben möchte, man denke nur an Colton Ford, Michael von Steel, Dylan Vox oder auch Beverly Lynne…
Fazit
»The Lair, Season 2« ist kein Meisterwerk, findet aber langsam zu sich selbst. Man darf auf jeden Fall auf die dritte Staffel gespannt sein!