China, mit den weltweit meisten Internetusern, hat jetzt mit seiner Zensurpolitik auch vor den Schwulen und Lesben des Landes nicht Halt gemacht. Wie eine Nicht-Regierungsorganisation am vergangenen Donnerstag berichtete, mussten bereits zehn Websites mit homosexuellen Inhalten schließen oder wurden auf Anordnung durch die Provider von den Host-Servern gelöscht.

Die Chinesische Vereinigung von HIV/AIDS Organisationen will jetzt den Webmastern und Betreibern der betroffenen Seiten juristische Hilfe anbieten. »Mehr als zwanzig Anwälte in unserem Institut können diesen Webmastern gratis juristische Hilfe anbieten«, so Lan Yujia, ein Funktionär des Aizhixing Institutes, einer Organisationen zum Schutze der Rechte spezieller Gruppierungen in Beijing.
Webmaster, deren Homepages bereits wegen homosexuellen Inhalten geschlossen wurden, berichten, dass ihre Provider den Schritt damit begründeten, dass Schwulenwebsites unmoralische Informationen und pornografische Literatur enthalten könnten. Die Internetdienstanbieter ließen auch verlautbaren, dass »schwules Chatten illegal« sei. Diese Argumente könnten auch dazu benützt werden, alle restlichen schwulen Websites des Landes zu schließen oder auf ausländische Server zu verbannen.
Da die chinesische Regierung derzeit plant, ihre Internet-Kontrollen zu verschärfen, wurden bereits vor wenigen Tagen neue Regeln bekanntgegeben. Darin wird festgehalten, dass Betreiber von Telekomunternehmen und Internet-Services künftig untersuchen müssten, ob Websites offiziell registriert seien. Die Regeln sehen vor, dass jede Website, die nicht offiziell registriert wurde, unzugänglich gemacht wird.
Info – Wikipedia: China hat derzeit etwa 300 Millionen Internet-Nutzer. Die Regierung zensiert das Internet mit einem Mix aus Zensur-Technologie (wie Filter), Ausspähung und Einschüchterung der User und Forderungen an ausländische Internet-Unternehmen. »China ist weltweit das größte Gefängnis für Cyber-Dissidenten mit derzeit 62 Menschen in Haft für Online-Veröffentlichungen« so der Bericht von »Reporter ohne Grenzen«. Die Volksrepublik China ist mit dem Projekt Goldener Schild ohnehin das bekannteste Beispiel für starke Zensur im Internet. So sind neben pornographischen Seiten die Auftritte religiöser und politischer Gruppierungen, die die chinesische Regierung als schädlich ansieht, sowie renommierte Nachrichtendienste gesperrt.