Die sexy Boys (und Girls) sind zurück! In der neuen Staffel des Gay-Mystery-Hits »Dante’s Cove« hat sich einiges verändert, braungebrannte Körper, dunkle Geheimnisse und der Trash-Faktor sind aber geblieben. Gayboy.at hat den »Dante’s«-Boys einen zweiten Besuch abgestattet und sich genau angesehen, was sich hinter »Season 2: Posessed and undressed« wirklich verbirgt.

Die letzte Staffel hat ja spannend aufgehört. Toby und Kevin, das (vermeintliche) Traumpaar aus »Dante’s Cove«, wurden in den letzten Minuten von Season 1 (wieder einmal) brutal auseinandergerissen. Der böse, aber sexy Ambrosious und sein neuer Helfershelfer Cory überwältigten Toby, schlugen ihn K.O. und warfen ihn ins weite Meer hinein.
Wie geht’s nun also weiter? Ist Toby wirklich tot und muss sich Kevin allein durch die von muskelbepackten Traumtypen bewohnte Insel »Dante’s Cove« schlag(f)en? Natürlich nicht. Sehr unspektakulär wird Toby an den Strand gespült (was innerhalb der Serie relativ oft mit Personen oder verlorenen Dingen geschieht) und macht sich wieder einmal sofort nach der Suche nach Kevin, der sich schlafend in Ambrosious’ Armen wieder findet, ihn aber sofort wegstößt. Die beiden finden wieder zusammen, Ambrosius hat Liebeskummer und beschließt sich zu einer Rundumerneuerung, Toby und Kevin sind sich aber schon Minuten später ihrer Beziehung zueinander nicht mehr gar so sicher.
Ist Kevin etwa nur »Toby’s Boy«, wie Adam ihn nennt? Hat er am Ende gar keine eigene Persönlichkeit und lebt eigentlich nur Tobys Leben? Und ist er imstande, treu zu sein?
Fragen über Fragen, mit der die erste Folge beginnt und die sich wie ein roter Faden durch die gesamte zweite Staffel (bestehend aus nur 5 Folgen zu je 45 Minuten) ziehen. Man sieht also schon: Die Soap-Elemente werden in der zweiten Season verstärkt, Beziehungsprobleme aller Art kommen an die Oberfläche. Alte Exfreunde tauchen auf, alte Flammen lodern wieder, der Chef fickt den Angestellten, die lesbische Freundin soll bei der Hochzeit der Schwester der Familie vorgestellt werden. Aber keine Angst: »Dante’s Cove« bleibt vor allem eine Mystery-Serie, und so wird auch in diesem Jahr die Tresum-Religion weiter erforscht (was sich als faszinierend und überraschend zu einer Art Geschlechterkampf entpuppt), Geister erscheinen immer noch, Zaubersprüche gehen schief, Ambrosius macht Gedankenkontrolle immer noch Spaß.
Ist also im zweiten Jahr von »Dante’s Cove« alles beim Alten geblieben? Mitnichten. Weshalb wir uns folgend auf die stärksten Veränderungen konzentrieren wollen. Zur Story wird nicht mehr verraten, schließlich soll die Spannung ja bleiben (falls ihr die zweite Staffel noch nicht gesehen habt). Nur soviel: Die »Dante’s«- Bewohner müssen mit einem Todesfall klarkommen, einer von ihnen erkennt die Macht in sich, neue Gesichter tauchen auf, alte Gefühle erwachen, ein Suchtproblem muss gelöst werden, Grace und Ambrosius bekriegen sich weiter, bis es zum großen Staffelfinale kommt. Und danach wird nichts mehr so sein, wie es einmal war….
Aber was ist nun neu in der zweiten Staffel mit dem sexy (und irgendwie auch dämlichen) Titel »Posessed and undressed« (dt: »Besessen und nackt«)?

Neues Setting: Haiwaii statt anonymes Insel-Irgendwo
Die stärkste Veränderung ist eindeutig die Insel selbst. Klar, sie heißt immer noch »Dante’s Cove« (wäre ja sonst auch mit dem Titel blöd), aber statt dunkler, verregneter und teils vernebelter Atmosphäre herrschen nun Sonnenschein, blauer Himmel und noch mehr Strandszenen vor. Ab der zweiten Staffel wurde nämlich in Haiwaii gedreht (übrigens dieselbe Location, wo auch die Produktion von »Lost« stattfindet), und dies merkt man der Serie deutlich an. »Hotel Dante« wird nun renoviert und eindeutig Besucher-freundlicher gemacht. Das »Cafe Dante« kommt nun verstärkt zum Einsatz, wird vergrößert und befindet sich – natürlich – direkt am Meer.
Doch damit nicht genug: Um den Haiwaii-Effekt noch mehr zu unterstreichen, wird in der Nähe des Hotels ein neuer Surfer-Shop eröffnet. Regen gibt’s natürlich so gut wie nie, schließlich müssen unsere Protagonisten nach wie vor halbnackt herumlaufen. Aber, Ironie beiseite: Die Rundumerneuerung des Settings tut der Serie gut. Die neue Staffel wirkt moderner, mehr am Puls der Zeit, woran vielleicht der Mystery-Effekt ein bisschen leidet, im Großen und Ganzen sich aber sehr gut in die Story eingliedert. Das Make-Over spiegelt sich nicht nur in der Umgebung, sondern auch bei den Figuren wieder: Grace darf nun in moderner, sexy Kleidung und einem noblen Flitzer durch die Gegend düsen. Und auch Ambrosius bleibt vom modernen Zeitalter nicht verschont….
Ambrosious wird Bro
Wenn eine Figur im zweiten Jahr eine komplette Renovierung erfährt, so ist es Ambrosius. Der erkennt nämlich, dass er mit Magie nicht viel weiterkommt, will er bei Kevin landen. Also beschließt er, seine noch vom vor-vorigen Jahrhundert stammende Kleidung, Frisur und (wenigstens zum Teil) Sprache abzulegen und ›modern‹ zu werden: Ambrosius heißt nun Bro, hat sich neben einer sexy Kurzhaarfirsur einen schicken Sportwagen zugelegt, trägt nun gern bis zum Brustansatz geöffnete Hemden zu engen Jeans und nimmt öfter mal das Wörtchen »cool« in den Mund. Den herrlich bösen Blick hat er aber immer noch drauf. Und liefert als einer der wenigen richtig heiße Sexszenen ab.

Neue Gesichter und bessere schauspielerische Leistungen
Wie das meistens in neuen Staffeln so ist, werden uns auch in »Dante’s Cove« neue Gesichter vorgestellt. Hier sind dies zum einen der sexy Handwerker Kai (der nicht nur beim Haus Rohre verlegen darf) und Marco, der neue Besitzer des Hotels (älter als der Rest, aber sehr sexy), die beide aber eher eine untergeordnete Rolle spielen. Um einiges bedeutender sind da schon die zwei lesbischen Neuzugänge: Vans neue Liebe Michelle (überzeugend dargestellt von Erin Cummings) leidet unter der immer größeren Magie-Besessenheit ihrer Freundin, woran sie letzten Endes fast zerbricht. Michelles Angst, den Verstand zu verlieren, ist zwar zum Teil recht übertrieben dargestellt, die Storyline des Neo-Paares überzeugt aber, was nicht zuletzt daran liegt, dass hier deutliche Anleihen an den Figuren Willow und Tara genommen wurden, dem Kult-Paar aus »Buffy«.
Neu auf der Insel ist auch Diana Childs, ein mysteriöses Tresum-Mitglied, welche nicht nur geheimnisvolles Interesse an Grace und Ambrosius, sondern auch an Van hat. Dargestellt wird Diana von niemand geringerem als »Queer as Folk«-Star Thea Gill. Gill ist der größte Pluspunkt der neuen Staffel, da ihre Storyline nicht nur zu den besten der gesamten Serie gehört, sondern weil es Gill sichtbar genießt, hier mal so richtig geheimnisvoll und bitchy zu sein. Nichts erinnert hier an die fürsorgliche Lindsay aus »QAF«. Gill schafft es, mit den kleinsten Gesten und mit gehauchter Stimme der Figur Leben einzuhauchen und deren Mix aus Entschlossen- und Zerrissenheit darzustellen. Gill spielt ihre Kollegen mit Leichtigkeit an die Wand, schafft es aber dennoch, deren schauspielerische Leistungen zu pushen.
Überhaupt muss gesagt werden, dass sich die Schauspieler zur vorherigen Staffel deutlich verbessert haben. Weit hinter den Erwartungen bleibt jedoch immer noch Charlie David (Toby), dessen Spiel oft hohl und künstlich wirkt. Zwischen ihm und Gregory Michael (Kevin) mögen die Funken einfach nicht so richtig sprühen.
Den restlichen Figuren aber wird mehr Tiefe gegeben, was zum Einen an den Schauspielern selbst, zum anderen an der (manchmal zu) langsamen Erzählweise dieser Staffel liegt, die es erlaubt, die Figuren näher zu betrachten und mehr aus deren Vergangenheit zu erfahren. Dies geschieht zwar nur ansatzweise, macht aber gerade so den spannenden Reiz aus. Was trotzdem die eine oder andere wirklich dumme Storyline nicht verzeiht, wie allen voran die Puppen-Story der letzten Folge. Besagte Puppe macht nämlich jeden, der diese anfasst, geil wie Nachbars Lumpi. Bitte, nicht mehr davon. Dies hier ist schließlich immer noch eine TV-Serie und kein billiger Porno.
Neuer alter Adam
Adam, unser Liebling unter dem »Dante«-Cast, darf auch in der zweiten Staffel wieder herrlich intrigant, selbstverliebt und dabei doch verletzlich sein. Dieses Jahr experimentiert er mit der neuen Party-Droge Saint, die nicht nur magischen Ursprungs ist, sondern auch die Verbindung zum »Dante’s«-Spin-Off »The Lair« darstellt. Aber nicht nur das: Plötzlich ist sich Adam nicht mehr so sicher, ob er tatsächlich nur auf Frauen steht. Schließlich gibt’s da sexy Bro und die alte Liebe Toby. Was nicht nur heiße Szenen zwischen den Figuren zur Folge hat, sondern auch einer der berührendsten Momente der bisherigen Staffeln, wenn Adam unter dem Drogenentzug leidet und Toby sich liebevoll um ihn kümmert. Dies ist nur einer der Szenen, in denen man sich als Zuseher die neue Pärchen-Konstellation Kevin/Bro und Toby/Adam herbeiwünscht, die mehr Schwung in die Serie bringen würde.
Die wirkliche Erneuerung aber ist Jon Fleming (»Will & Grace«), welcher ab dieser Staffel die Rolle des Adams übernimmt. Zwar waren wir auch schon von sexy Stephen Amell begeistert, welcher Adam (wenn auch mit minimaler Screentime) in der ersten Staffel darstelle. Fleming jedoch schafft es, die verletzliche Seite Adams zu unterstreichen, ohne aber etwas von seiner sexy fiesen Art einzubüßen. Neben Gill ist Fleming die beste Erneuerung der Serie.

Der Sex und die Musik sind verflogen
Es mag oberflächlich klingen, hat aber einen enorm negativen Einfluss auf die Serie: Der Sex ist verflogen. Natürlich: Es gibt immer noch viel nackte Haut, es gibt immer noch gleichgeschlechtliche Erotik. Doch wo Season 1 Grenzen mit einerseits sehr expliziten, andererseits oft ironisch wirkenden Sexszenen (so zum Beispiel, wenn Kevin während eines Blowjobs Visionen bekommt) überschritt, so ist Staffel Zwei diesbezüglich sehr zurückhaltend und, man kann es sagen, leider langweilig geworden. Sex wird meist nur mehr angedeutet, nach ein paar (wenn auch meist erotische) Küsse wird die Szene unterbrochen. Damit unterscheidet sich »Dante’s Cove« zwar noch immer von den meisten anderen Serien welche Homosexualität und insbesondere den Sex von Schwulen und Lesben, behandeln, hat seine hoch gelegte Latte (man verzeihe das Wortspiel) jedoch nicht halten können. Das ist schade, wirbt die Serie doch mit seinem hohen Sexappeal. Dieser ist dank der überaus sexy Schauspieler immer noch vorhanden, trotzdem ist der gewisse Kick verloren gegangen. Da nützt es auch nichts, dass es im diesen Jahr mehr Full Frontal –Szenen (der Penis wird gezeigt) gibt.
Der neue Sex- und Drogenclub der Insel hat zwar das gewisse Etwas und erweitert angenehm das Serienuniversum, der Sex aber wird hohl, leer und manchmal etwas lieblos inszeniert. Das mag zur Atmosphäre des Clubs passen. Trotzdem kommt man nicht herum zu bemerken, dass diese Szenen rein des Sexes wegen inszeniert wurden und nicht, wie in Staffel 1, aus Story-technischen Gründen. Diese wunderschön oder verstörenden (je nach Kontext), stets mit ergreifender Hintergrundmusik gestalteten Sexszenen sind äußerst rar geworden in der zweiten Staffel. Fast scheint es, als habe man die Ironie auf sich selbst verloren. Schade.
Gleiches gilt für den Soundtrack der Serie: Mit richtig cooler und hitverdächtiger Hintergrund-Musik hält man sich zurück. Da wurde am falschen Platz gespart.
Fazit: Der Suchtfaktor ist immer noch vorhanden, »Dante’s Cove« ist nach wie vor unser ›guilty pleasure‹. Jedoch enttäuscht die zweite Staffel im Großen und Ganzen. Die verstärkten Soap-Elemente tun der Serie zwar gut, werden aber zu wenig vertieft. Joe Fleming als neuer Adam und insbesondere die (hier sprichwörtlich) bezaubernde Thea Gill als Diana Childs sind ein großer Pluspunkt für die Serie und zwingen ihre Kollegen zu besseren schauspielerischen Leistungen. Der neue Hawaii-Charakter fügt sich gut in die Story ein. Dramaturgisch jedoch lässt die Staffel mehr als zu wünschen übrig: Denn am Ende der fünf Folgen bemerkt man, dass eigentlich nicht sonderlich viel passiert ist. Vor allem aber fehlt der so einfühlsam und manchmal ironisch inszenierte Sex, der »Dante’s Cove« seinen ganz eigenen Charme verlieh. Man kann also sagen: »Dante’s Cove« ist braver geworden und geht erschreckend wenige Risiken ein. Schade. Vielleicht aber wird’s im dritten Jahr wieder besser – die Zeichen dafür stehen nach dem überraschenden Finale der zweiten Staffel auf jeden Fall gut….
Bilder: PRO-FUN MEDIA