Vampire haben per se etwas Erotisches: Die geheimnisvolle Aura, die sie umgibt, der erotische Akt des Beißen und Gebissen Werdens – kein Wunder, dass der Vampir schon seit Jahrhunderten als erotischste Versuchung des Bösen im Horrorgenre gilt. Mit »The Lair« wird der Erotik-Faktor an die Spitze getrieben. Die Verbindung zwischen Vampire und Homosexualität ist dabei mehr als nur metaphorisch.

Denn bei »The Lair« geht’s ums Ganze: Schwule Vampire, schwuler Reporter, schwuler Sheriff. Zwischendurch ein asexueller Arzt und die obligatorische heterosexuelle beste Freundin, die sich mit ihrem prügelnden Lover herumschlagen muss. Verbunden werden die Protagonisten durch einen Gay- Sex Club namens »The Lair« (aaahh… daher also der Name!), indem es nicht nur heiß, sondern auch mörderisch zugeht. Denn seit Kurzem tauchen immer mehr tote (junge, nackte) Männer im Ort auf, die verräterische Merkmale am Hals haben. Aber das ist nicht alles: Manche von ihnen wollen einfach nicht tot bleiben und machen schon bald darauf wieder die Gegend unsicher – und so manchen von Hormonen gesteuerten Mann glücklich. Bald darauf sind auch jene tot. Wie kann das sein? Reporter Thom und Sheriff Trout gehen dem Fall nach und geraten bald beide in die Fänge von »The Lair«. Denn dieser Club wird in Wahrheit von (schwulen) Vampiren beherrscht, deren Anführer Damian bald reges Interesse an Thom hegt…
Soweit zur Story von »The Lair«. Damit ist auch eigentlich schon fast alles erzählt, denn die erste Staffel (gegenwärtig wird die dritte Season am amerikanischen Gay TV-Sender »here!« ausgestrahlt) besteht aus wenigen sechs Folgen zu je 25 Minuten. Was soviel heißt wie: In Staffel 1 passiert nicht viel, am Ende wird man (trotz des zugegebenermaßen überraschenden Finales) mit einem störenden »War’s das?«-Gefühl zurückgelassen. Und auch sonst weiß »The Lair« nicht wirklich zu überzeugen.
Aber von Anfang an. »The Lair« ist ein Spin-Off des Gay-Mystery-Hits »Dante’s Cove«. Interessant, dass dies zwar im offiziellen Trailer und am DVD-Cover immer wieder zur Sprache kommt, in der Serie selbst aber nicht erwähnt wird. Während in der zweiten Staffel von »Dante’s« Verbindungen zu »The Lair« hergestellt werden (der Sexclub wird als neue Location eingeführt, Dylan Vox hat mehrere Gastauftritte), so fällt in »The Lair« kein einziges Mal der Ortsname »Dante’s Cove«. Es wird nur immer wieder von »the island« oder »the coast« gesprochen, mehr Hinweise gibt’s aber nicht. Verständlich, schließlich will sich »The Lair« als eigenständige Serie etablieren. Trotzdem wären zumindest anfangs ein paar Insider-Jokes nett gewesen, schließlich spielt sich die Geschichte rund um die schwulen Vampire auf derselben Insel ab wie die Story um Kevin, Ambrosius und Co. Was schon irgendwie faszinierend ist.

Aber eigentlich ist das ja egal. Denn trotz aller sichtlichen Bemühungen des Regisseurs und der Schauspieler kann »The Lair« seinem großen Bruder »Dante’s« nicht das Wasser reichen. Zwar wirkt »The Lair« wilder, erwachsener, rockiger, das gewisse Etwas fehlt aber, namentlich der satirische Faktor. Während »Dante’s« sich öfter mal selbst aufs Korn nimmt, kommt »The Lair« zu ernst daher. Die Idee, der Mystery-Welt (Vampire) einer realen Welt (Reporter, Sheriff) gegenüberzustellen, ist zwar nett und soll für einen erwachseneren Touch sorgen, jedoch geht dieser Mix nicht ganz auf. Da man als Zuschauer stets schon mehr weiß als Thom, der Reporter, mag nicht so richtig Spannung aufkommen. Die Story ist vorhersehbar, Twists gibt es so gut wie keine (sieht man vom Finale ab). Die Story um Laura und ihren brutalen Lover (dargestellt übrigens von Pornostar Evan Stone) wirkt unpassend und fügt sich nicht so richtig in die Geschichte um die Vampire ein. Der Club »The Lair« selbst wirkt anziehend, die Machtspiele unter den Vampiren haben Potenzial für größere Storys. Trotzdem wünscht man sich, die Serien-Macher würden mehr aus dem Sexclub herausholen – die ständige »Bist du Mitglied?«-Fragerei, die sich stets wiederholenden Gruppensex-Szenen und der ach so überraschende Mord an einem der Kunden mitten im Liebesspiel sind sehr bald ermüdend.
Womit wir auch beim Sex wären. Natürlich wird auch hier mit nackter Haut nicht gespart, man ist schließlich immer noch ein Spin-Off von »Dante’s Cove«. So rennen die Vampire stets halbnackt herum, was den geneigten Zuseher nicht weiter stören mag. Die Schauspieler sind fesch, abgesehen von Peter Stickles (Damian) und Michael Von Steele (Eric) ist aber keiner dabei, der den Titel »Hottie« verdient. Klar, gut gebaut sind sie alle. Nur reicht das leider nicht immer, Ausstrahlung vermisst man im Cast. Auch in dieser Sache hat »Dante’s Cove« die Nase meilenweit voraus. Die Sexszenen selbst sind rockiger als in »Dante’s« (was daran liegt, dass in »The Lair« vor allem mit rockiger Hintergrundmusik gearbeitet wird), ansonsten aber lieblos, kalt und leer inszeniert. Was nicht unbedingt ein Nachteil sein muss, spiegelt es doch so gut die Atmosphäre des Clubs wider. Eine Verbindung zum Zuschauer wird auf diese Weise allerdings nicht hergestellt.

Zum Schluss sei noch auf die Schauspieler verwiesen. Hier wird vor allem mit Peter Stickels geworben, den man aus dem genialen Indie-Hit »Shortbus« kennt. Dort wusste Stickels auf ganzer Linie zu überzeugen. Auch in »The Lair« ist er nicht schlecht, Glanzleistungen sehen aber anders aus. Seine Kollegen spielt er aber mühelos an die Wand, wozu zugegebener Maßen auch nicht viel dazugehört. Die Talentlosigkeit mancher in dieser Serie befindet sich oft stark an der Grenze des Zumutbaren. Klar, auch in »Dante’s Cove« sind besonders in der ersten Staffel keine Meister-Schauspieler zu sehen. Durch den Satire-Effekt jedoch stört dies dort nicht (sehr), in »The Lair« jedoch wird es so manches Mal zum Stolperstein.
Also, ist »The Lair« wirklich so grundlegend schlecht? Nein, nicht ganz. Ein gewisser Sucht-Faktor stellt sich doch ein, man will trotz aller Mängel wissen, wie es weitergeht. Schwule Vampire in einem schwulen Sexclub in den Mittelpunkt einer Story zu stellen ist sicher eine erfrischende Zugangsweise zum Vampir-Thema (wenn auch nicht hundertprozentig neu). Vom »guilty pleasure«, wie »Dante’s Cove« immer wieder genannt wird, ist »The Lair« jedoch noch meilenweit entfernt. Vielleicht wird’s ja in der zweiten Staffel besser.
Bilder: PRO-FUN MEDIA