Gay-Porno-Dokumentation auf der Berlinale
Eine Dokumentation über das Leben älter gewordener Porno-Darsteller wirft ein schreckliches Licht auf die Gay-Film-Industrie in Los Angeles. Der Film "Cycles of Porn" eröffnete die Panorama-Sektion der Berlinale am letzten Freitag und wurde vom Publikum enthusiastisch angenommen.
Doch "Cycles of Porn--Sex/Life in L.A. Part 2" ist nur einer von vielen Filmen innerhalb der Berlinale, die Sex und Pornographie zum Thema haben. "Cycles of Porn" vom deutschen Filmemacher Jochen Hick nimmt sein Publikum mit auf eine Reise in die Welt des Low-Budget-Sex-Films. Man begegnet einer Gruppe junger schwuler Schauspieler, die hoffen, Karriere zu machen. Sie leben zusammen in einer Wohnung, die mit Web-Kameras angefüllt ist, deren Präsenz man nicht ein einziges Mal vergessen kann. Der Film kontrastiert die Hoffnungen dieser jungen Männer mit dem Leben bereits älter und vom Pornogeschäft müde gewordener Porno-Stars. Der Filmemacher Hick erklärte auf der Berlinale, dass er gehofft hatte, dass "Cycles of Porn", der mit nur 80.000 Dollar produziert wurde, mehr Käufer finden würde als der erste 1997 produzierte Teil. "Wir haben herausgefunden, dass schwule Porno-Darsteller es eher aus Abenteuergründen tun, sie wollen etwas richtig verrücktes machen, denn es ist absolut lächerlich wie wenig sie dafür bezahlt bekommen. Und ehrlich gesagt, gibt es im Vergleich dazu sehr sehr wenig Frauen, die Pornos aus Spaß drehen." Die Berlinale, nach Cannes und Venedig eines der weltweit größten Filmfestivals, hat die Porno-Industrie zu einem der Hauptthemen im Festivaljahr 2005 bestimmt. Die Dokumentation der beiden schwulen Regisseure Fenton Bailey und Randy Barbato "Inside Deep Throat" handelt über den 1972 gedrehten Film "Deep Throat", der damals zu den schockierendsten Pornos zählte und 600 Millionen Dollar einspielte, obwohl er nur 25.000 Dollar gekostet hatte. Er wurde zum ersten Mal am Sonntag innerhalb der Panorama-Sektion gezeigt.
Wer den schwul-lesbischen Filmpreis innerhalb der Berlinale, den Teddy, in diesem Jahr hochhalten kann, wird am 18. Februar bei der Teddy-Gala im Kino International entschieden. Filmemacher Hick hatte den Teddy schon einmal vor zwei Jahren gewonnen - für seine Dokumentation "The World of Rural Queers", die das isolierte Leben von vier schwulen Männern im südwestlichen Deutschland porträtiert. Hick über seinen neuen Film, der zur Hälfte aus deutschen Filmfördergeldern produziert wurde, erklärte, dass viele schwule Sex-Szenen die Zuschauer möglicherweise schockieren könnten, trotzdem habe bisher kaum einer den Kinosaal verlassen. Gerade Frauen und Heterosexuelle waren von Hicks Film angetan. Für das Fernsehen hat Hick sogar eine "abgespeckte" Version in der Tasche. Hick: "Jene, die einmal im Film sind, lieben ihn. Frauen haben mir gesagt, dass sie den Film lieben würden." Hicks arbeitet auch in seinem neuen Film nicht ohne Humor. So sind einige Schauspieler plötzlich nicht mehr in der Lage, ihre Performance fortzusetzen... Er zeigt sie auch, wenn sie ihre üblichen 150 Dollar-Schecks pro Filmdrehtag abholen. Hicks Film illuminiert eine Welt, in der Drogen-Missbrauch an der Tagesordnung steht und Männer jung sterben. So würde der Prozentsatz jener, die den Drogen verfallen sind, sehr hoch sein. "Erst tun Dir die armen Film-Schauspieler leid, doch dann denkst Du: Mein Gott, du bist doch alt genug, um zu entscheiden, was Du tust!"